VOM NEUEN MENSCHEN ZUM NEW HUMANISM

Zielte die religiös bestimmte Sehnsucht nach einem ganz anderen Menschsein seit dem Altertum zumeist auf ein künftiges Dasein im Jenseits ab, finden sich im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche Bemühungen, den Menschen im Diesseits ‚neu zu erfinden’. Insbesondere totalitäre Regime, etwa der sowjetische Kommunismus, propagierten dazu die Idee eines neuen Menschen, der, losgelöst von Tradition und Konvention, als „kollektive Persönlichkeit“ in Erscheinung tritt. In Literatur und Film zur Darstellung gebracht, sollte der modernen Architektur eine wesentliche Rolle bei dieser ‚Wiedergeburt‘ zukommen. Der Frage, wie sich ein neuer Mensch in einer zunehmend technisierten Welt behaupten könne, widmete sich indessen das Bauhaus, gerade während der Weimarer Anfangsjahre. Als Reaktion auf eine zunehmend kritisch erachtete Architekturmoderne verbreitete sich in den 1940er-Jahren hingegen ein von Skandinavien ausgehender New Humanism: Nicht zuletzt durch die neuerliche Berücksichtigung traditioneller Bauformen sollte er eine ‚menschenfreundliche‘ Alternative zum Internationalen Stil bieten. Auch weil wiederum andere Konzepte eines neuen Menschen derzeit unter dem Schlagwort ‚Posthumanismus‘ diskutiert werden, sollen im Rahmen des Seminars verschiedene Ausprägungen dieser Idee – die für Architektur, Kunst und Design nicht folgenlos geblieben sind – untersucht werden